VORTRAG UND FILMVORFÜHRUNG  
"So ein Ding muss ich auch haben", München 1961

Donnerstag, den 24. Februar 2011, um 19:00 Uhr

Filmstills aus "So ein Ding muss ich auch haben", München 1961, u. a. mit HP Zimmer, Maurice Wyckaert, Helmut Sturm, Heimrad Prem und Jørgen Nash (v. l. n. r.)
Filmstills aus "So ein Ding muss ich auch haben", München 1961, u. a. mit HP Zimmer, Maurice Wyckaert, Helmut Sturm, Heimrad Prem und Jørgen Nash   (v. l. n. r.)So ein Ding muss ich auch haben, München 1961So ein Ding muss ich auch haben, München 1961So ein Ding muss ich auch haben, München 1961So ein Ding muss ich auch haben, München 1961



 

Zum Ende unserer Ausstellung zur Kunst in der 1957 u. a. von Guy Debord und Asger Jorn gegründeten Avantgardebewegung SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE (S.I.) möchten wir Sie auf eine Sonderveranstaltung aufmerksam machen: Die S.I. war – insbesondere durch ihren programmatischen Anführer Guy Debord – auf besondere Weise mit dem Medium Film verbunden. In Reaktion auf die Anforderungen einer situationistischen Theorie, die sich mehr und mehr gegen das „traditionelle“ Tafelbild wandte, entstand 1961 in München unter der Regie des Dänen Albert Mertz der Film „So ein Ding muss ich auch haben“ u. a. mit Asger Jorns Bruder Jørgen Nash und der Gruppe SPUR. Laut Filmskript möchte man darin – ganz im Sinne der der Situationisten – das „gewöhnliche Jedertagsleben“ dekonstruieren. Gleichzeitig entstand dabei ein bisher nur schwer zugängliches, selten gezeigtes Juwel der Filmkunst, das die verdeckten Aggressionen der Nachkriegszeit in München nicht ohne Humor zu Tage treten lässt. Der Legende nach wollte Jean Luc Godard den Kurzfilm 1967 vor „La chinoise“ zeigen, bekam jedoch keine Erlaubnis dafür mit der Begründung, dass man seine Filme nicht möge.
Im Rahmen der aktuellen Ausstellung bringt die Galerie den Film nun in einer kleinen Auflage neu heraus.
Vor der Filmvorführung wird Roberto Ohrt (Autor des Standardwerks zur S.I. Phantom Avantgarde) – im deutschsprachigen Raum einer der besten Kenner der S.I. – in die vielfältige, widersprüchliche und zumeist unterschätzte Beziehung zwischen der S.I. und dem Medium Film einführen. Dabei werden auch die Gegensätze zwischen Debord und den bildnerisch geprägten Malern der deutschen und dänischen Fraktion zur Sprache kommen und anhand des Filmmaterials aus einer neuen Perspektive aufgezeigt.  

ROBERTO OHRT Roberto Ohrt ist Kunsthistoriker, Autor und Kurator. Er promovierte 1988 (Phantom Avantgarde - Eine Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst, Hamburg 1990) und veröffentlichte zahlreiche Schriften zu den Situationisten und Künstlern wie Martin Kippenberger, Veronique Bourgoin, Raymond Pettibon, Andreas Hofer, Paul Thek, André Butzer oder Jason Rhoades. Er organisierte Ausstellungen für das Centre Georges Pompidou, das ZKM Karlsruhe, den Golden Pudel Club (Hamburg), die Transcontinental Nomadenoase (Miami und Mexiko City) oder das Museum der Moderne Salzburg. 1996 ist er Mitbegründer der Akademie Isotrop (Hamburg, -2001) und der Edition Silverbridge (Paris/San Francisco). Roberto Ohrt wurde 1954 in Santiago de Chile geboren und lebt in Hamburg.


So ein Ding muss ich auch haben, München 1961

Regie und Bild:      Albert Mertz
Kamera:                 Wolf Wirth
Musik:                    Jean Dubuffet und Asger Jorn
Produktion:            Dansk-Fransk Experimentalfilm Kompagni
Requisite:              Katja Lindell
Mit:                        Willi Bleicher, Jacqueline de Jong, Jørgen Nash, Heike van de Loo, Heimrad Prem,
                              Helmut Sturm, Maurice Wyckaert, HP Zimmer u. a.
Dauer:                   18 min
Copyright:              Donation Jorn, Silkeborg; Estate Mertz

Die DVD ist zu einem Preis von 25,- € unter Publikationen bestellbar.