ENDY HUPPERICH
KLEINE GROSSE FRAU

Ausstellungsdauer: 13. September bis 2. November 2013   

Endy Hupperich
Endy Hupperich, Squelch the weasel, 2012
Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm
Endy HupperichEndy HupperichEndy HupperichAusstellungsansicht Endy HupperichAusstellungseröffnung Endy HupperichAusstellungsansicht Endy HupperichAusstellungsansicht Endy Hupperich



Mit den neuen Arbeiten, die anlässlich der Open Art 2013 zum größten Teil erstmal gezeigt werden, bewegt sich ENDY HUPPERICH (*1967) weiterhin auf dem Terrain seiner mit der gemalten Collage spielenden Malerei. Mit sensiblem Blick für die kleinen und großen Absurditäten des Alltags spürt er in der überbordenden Bilderflut der Printmedien ebenso wie bei ihrer digitalen Schwester verschiedenste Motive und Vorlagen auf, die er – die Entwertung der Vorlage nur zu gern in Kauf nehmend – zu neuen, ironisch verschalteten Bildwelten koppelt. Dabei wird eine auf äußerliche Erkennungszeichen konzentrierte, verkitschte Jugendkultur manifest, die längst keine Altersbeschränkung mehr kennt, sondern gesamtgesellschaftliches Phänomen geworden ist. Gleichzeitig fließen in die Bildfindungen offenkundig Zitate aus der Hochkultur mit ein. Innerhalb der enormen Spannbreite von traditionellen erotischen Holzschnitten aus Asien über Velazquez, Picasso, Polke und Kippenberger bis hin zu Daniel Richter kommentiert Hupperich bestimmte Stilfindungen und Ausdrucksformen, die beim Publikum bereits als verwertbare „Marke“ etabliert sind. In seinen Bildern macht er mit einem Augenzwinkern bewusst, dass die offen zugegebene Piraterie der Wahrnehmung, die der Künstler in extremer Form in Mexiko kennen gelernt hat, in der bildenden Kunst – ganz im Gegensatz zur Musikszene – in unserem Kulturkreis noch ein Tabuthema ist.
Ausschlaggebend ist letztendlich aber die eigene Qualität, die Endy Hupperich seinen in dieser Form „gesampelten“ Bildern verleiht und die nicht nur auf einem außergewöhnlichen maltechnischen und farbkompositorischen Können basiert, sondern sich insbesondere in den Brüchen und expliziten Widersprüchen zwischen „ausgemalter“ Form und rohem, spontanen, sicherlich noch auf seinen ersten Lehrer, den SPUR-Maler Helmut Sturm, zurückgehenden Zugriff manifestiert. Dies ist auch bei der Arbeit Kleine große Frau der Fall, die eigens für die aktuelle Ausstellung entstanden ist und mit 2,5 auf 3 Metern eine der größten Arbeiten im Werk des Malers darstellt. „Kleiner große Frau Geld immer nett“ stand ursprünglich in großen Lettern quer über der Bildfläche, die mit ihren diversen Versatzstücken an eine abgewrackte, von Sprayern bearbeitete Plakatwand im öffentlichen Raum erinnert. Wie viele Künstler vor ihm – man denke nur an die Nouveaux Realistes – übt diese Form der zufälligen Bildgenese auf Endy Hupperich, der übrigens auch in seiner Hinwendung zu Volkskunst und Kitsch in der Kunst der 60er Jahre Anknüpfungspunkte findet, einen starken ästhetischen Reiz aus.

Zur Ausstellung liegt das signierte, limitierte, 2012 zu einem gemeinsamen Projekt mit sono Studiotechnik entstandene Heft SALUTE DENTALE vor, das in seinem übergroßen Format eine publizistische Besonderheit darstellt.

An dieser Stelle möchten wir außerdem auf das folgende Ausstellungsprojekt verweisen. Im Anschluss an die große Retrospektive Obsessionen. R.B. Kitaj. 1932–2007, die noch bis zum 27. Oktober in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist, zeigen wir ab 8. November unter dem Titel Home Truth eine große Auswahl seiner Siebdrucke aus den 60er Jahren, die schon 1969 nach München gelangten, als Otto van de Loo zusammen mit der Berliner Galerie Mikro Kitajs erstes Werkverzeichnis der Druckgraphik verlegte.